Familie Jacobs

Text: Werner Neumann – Thomas Butchereit

Die jüdische Familie Jacobs wohnte seit 1930 in der Leinstrasse 7 in Alfeld. Hier hatten sie ein kleines Textilgeschäft gepachtet hatte. Gerson Jacobs kam am31.01.1903 in Sögel zur Welt. Er heiratete im August 1931 Mathilde Erna Jacobs, geborene Goldwein. Sie wurde am 22.März 1905 im Haus Ihrer Eltern in Meimbressen (Heute Calden)geboren. Ihre Eltern waren Levi Goldwein und Frau Ida, geb. Hammerschlag. In der Wohnung in Alfeld nahm die Familie Jacobs noch zwei weitere Personen aus der engeren Verwandtschaft auf: Ernas Schwester Flory Goldwein, geb. 23.Mai 1910 in Meimbressen und ihre verwitwete Cousine Frieda Katzenberg, geb. 29.April 1910 in Meimbressen. Sie warTochter des Lehrers Abraham Hammerschlag und seiner Frau Johanne, geborene Heilbaum. Am 17. Juni 1933 erfolgte der Eintrag ins Alfelder Handelsregister unter der Nummer A 2146: Gerson Jacobs, Kaufmann in Alfeld. Die zunehmende Judenhetze bewirkte eine anwachsende Isolation der Familie Jacobs und die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich in den folgenden Jahren auch aufgrund wiederholter Boykotte. Der Gerson Jacobs kündigt den Pachtvertrag und übergibt im August 1937 den Laden samt Warenbestand an Karl Magnus, der am 1. September 1937 in den Räumen des ehemaligen jüdischen Geschäftes das Textilgeschäft Karl Magnus eröffnet.
Die Familie Jacobs und Flory Goldwein ziogen nach Hannover in eine kleine Wohnung im Haus Schiffgraben 60 und anschließend ziogen Gerson und Erna in die Celler Str. 107 III. Frieda Katzenberg, die Cousine Erna Jacobs, zog nicht mit nach Hannover. Um sich vor weiteren Nachforschungen zu schützen oder um ins Ausland zu emigrieren, hatte sie sich ohne einen neuen Wohnsitz in Alfeld „seit 31.08.1937 auf Reisen gemeldet“. Vom Amtsgericht Alfeld wurde sie mit dem Sterbedatum 30. April 1942 für tot erklärt.
Flory wohnte mit ihrem Mann Philipp Jacobs , geb. 29.05.1905, in Sögel, Nordstr.49. Im September 1941 werden die Jacobs als eine der ersten in das „Judenhaus“ des jüdischen Bürgers Max Rüdenberg in der Wunstorfer Str. 16 A eingewiesen. Am 15.12.1941 werden Erna Jacobs, Gerson Jacobs , Flory Jacobs und Philipp Jacobs von dort zusammen mit 38 anderen jüdischen Menschen nach Riga abtransportiert. Gerson und Erna haben nicht überlebt und wurden 1946 in ihren Geburtsorten für tot erklärt. Flory Goldwein war mit Gersons Bruder Philipp Jacobs verheiratet und wurde zusammen mit ihm ebenfalls nach Riga deportiert. Philipp wurde in Riga ermordet. Flory hat aber überlebt und ist nach Amerika ausgewandert, wo sie in New York am 20.11.1948 Benno Friedner geheirate hat. Sie ist 1999 gestorben. Flory Friedner hat den Tod ihres ersten Mannes, ihrer Schwester und ihres Schwagers nach Yad Vashem gemeldet.


Quellen:
Gedenkschrift der Geschichtswerkstatt Alfeld „Verfolgung und Vertreibung der Juden in Alfeld“ . Herausgegeben von der Vereinigung des Naziregimes – Bund der Antifaschisten_ Kreisvereinigung Hildesheim 1989
Gedenkblätter Yad Vashem Jerusalem Israel. Sowie Gedenkstätte und Archiv Ahlem/Hannover

Gedenkblatt Yad Vashem