Jüdische Bürger in Elze/Mehle

Text: Klaus Schäfer

Spätestens seit dem frühen 18. Jahrhundert lebten jüdische Bürger in Elze. Die meisten siedelten sich zunächst in der Ortschaft Mehle an, die zu diesen Zeitpunkt einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. In der Stadt Elze lebten bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenige Juden. Die erste jüdische Gemeine entstand deshalb auch in Mehle. Ihren Höhepunkt hatte sie 183, als sie 72 Personen umfasste. Von da ab ging die jüdische Bevölkerung in Mehle stark zurück. Immer mehr verließen den Ort und zogen nach Gronau oder Elze. Zwar entstand noch 1851 eine Synagoge in Mehle, - aber schon 1866 lebte nur noch eine jüdische Familie im Ort. In Elze stieg die Zahl der jüdischen Einwohner bis 1871 auf den Höchststand von 48 Personen an. 1864 wurde deshalb der Sitz der jüdischen Gemeinde nach Elze verlegt. Die Synagoge in Mehle wurde verkauft und abgerissen. Doch über lange Zeit verblieb der jüdische Friedhof in Mehle. Zwar wurde er 1903 von den Behörden wegen eines zu hohen Grundwasserpegels geschlossen, - dennoch fanden ausnahmsweise noch einige wenige Beerdigungen statt. Im Jahr 1939 wurde der Friedhof verkauft und die Grabsteine vermutlich für den Straßenbau verwandt.
Auch in Elze war die jüdische Bevölkerung rückläufig. 1920 lebten nur noch 21 jüdische Personen in der Stadt. Die gesellschaftliche Stellung der jüdischen Bewohner war sehr unterschiedlich. Sie arbeiten als Kaufleute, Unternehmer, Bankier, Viehhändler, Rechtsanwälte, betrieben einen Landhandel oder waren abhängig beschäftigt. Viele waren auch sehr arm und auf die finanzielle Unterstützung angewiesen. Zu diesen Zweck wurde 1897 eine eigene jüdische Armenstiftung gegründet. Sie waren Mitglieder in Schütz, - und Sportvereinen und bekleideten öffentliche Ämter.

1919 gründete Abraham Holländer zusammen mit Karl Heine eine Eisenbahn-Waggon-Reparaturwerkstatt., die später zur Waggonfabrik Heine & Holländer ausbebaut wurde. Abraham Hollönder war ein Onkel von Anne Frank. Ab 1926 waren Abraham Holländer und sein Sohn Walter die alleinigen Inhaber. Im Mai 1933 gingen die gesamten Geschäftsanteile an Joseph Graaff über, der schon seit 1927 als 2. Geschäftsführer der Firma fungierte.

Mit der Machtübernahme der Nazis begann ihre rigorose Verdrängung und Verfolgung.
Mitte 1930 gab die Fa. Gebrüder Wolfes auf. Sie wurde im Dezember 1937 im Handelsregister als „erloschen“ verzeichnet. Schon 1933 soll das Stammhaus der Wolfes enteignet wurden sein und ging in den Besitz des Bauverein Elze e.G. über. Der Inhaber Julius Wolfes wohnte in Hildesheim und verstarb 1936. Seine 2. Ehefrau Henny und seine Tochter Lotte konnten ins Ausland emigrieren.
1936 lebten nur noch drei jüdische Familien mit insgesamt 11 Personen in Elze. Die Familie Höxter zog 1936 nach Hamburg. Ihren Kindern gelang die Ausreise nach Großbritannien. Die Eltern wurden nach Minsk deportiert und dort umgebracht.
Die vierköpfige Familie Rosenstern ging 1938 nach Hannover. Nach der zwangsweisen Zusammenlegung in Judenhaus wurden sie in das Lager Wiesmoor verbracht. Die Eheleute starben in den Konzentrationslager Stutthof und Groß Rosen.
Erich Oppenheimer wurde nach dem Novemberpogrom 1938 verhaftet und ins Gerichtsgefängnis Alfeld überstellt. Als ehemaliger Frontkämpfer wurde er am 1. Dezember 1938 entlassen. Ihm gelang die Flucht ins Ausland. 1945 kehrte er kurz nach Elze zurück und ließ sich später in Delligsen nieder.
Er forderte die Rückgabe des Elzer Anwesen, - offenbar erfolglos.
Seine Mutter Paula und seine Schwester Alice verzogen ebenfalls nach Hannover. Auch sie wurden später in zwangsweise in ein Judenhaus verbracht und 1941 nach Riga deportiert. Dort sind vermutlich beide umgekommen. Die 1895 in Elze geborene Hedwig Stern wurde in Auschwitz ermordet. 1940 wurde die Synagogengemeinde Elze offiziell aufgelöst, da nachweislich keine jüdischen Bürger mehr in Elze lebten.
Der mit jüdischen Gräbern belegte Teil des Friedhofes am Heilswannenweg ging 1960 an den Landesverband der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen über. Seit 1977 übernimmt die Stadt Elze die Pflege. Sie hat auf dem Gelände eine Gedenkstätte errichtet.


Quellen und zum weiterlesen:
Jürgen Huck, Geschichte der Juden zu Elze, Hildesheim 2012
Wilhelm Jürgens, S. 1035 – 1041 in: Herbert Obenaus, Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen – Band II,

Weitere Informationen gibt es zudem hier:
www.juzie.de