Moritz Franck und Selma Levy

Text: Thomas Butchereit

Moritz Franck wurde am 15.05.1863 in Groß Freden als Sohn des Webereibetreibers Phillipp Franck geboren.

Moritz Franck war als Bankier und Tuchhändler tätig. Er wohnte in der Oberen Straße 102. Außerdem war Herr Franck Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Freden.

Nach Aussagen verschiedener Fredener Bürger war Herr Franck ein angesehener, höflicher, wohltätiger und kinderlieber Mensch- Er nahm wie alle jüdischen Mitbürger am dörflichen leben aktiv teil. Laut Aussage einer Zeitzeugin: „Er war ganz einfach ein feiner Mann“.

Mittwochs fuhr Herr Franck regelmäßig mit dem Zug nach Hannover zur Börse. Er war schon, laut Aussage eines Zeitzeugen, 1904 ein wohlhabender Mann.

Zwischen 1910 und 1920 (ein genaues Datum konnte nicht ermittelt werden) zog Selma Levy zu Herrn Franck. Sie war seine Vertraute und Haushälterin. Frau Levy wurde am 17. Februar 1872 in Bad Dreburg geboren. Im Haushalt fanden Herr Franck und Frau Levy Unterstützung durch einige „arische“ Hausmädchen. Das letzte Hausmädchen Frau N. war in der Zeit von 1934-1936 im Haushalt tätig. 1936 erfolgte von der NSDAP ein Arbeitsverbot, so dass Frau N. den Haushalt verlassen musste. Trotz des Verbotes, besuchte Frau N. die Beiden weiterhin.

Im März 1938 entschied sich Herr Franck auf Druck der Nationalsozialisten die Fredener Synagoge zu verkaufen. Er bot diese seiner Nachbarin zu einem günstigen Kaufpreis von 4.000 RM an. Die Nachbarin hatte jedoch kein Interesse an der Immobilie. Die Nachbarin informierte jedoch Herrn Ernst Lühr, der daraufhin Kontakt zu Herrn Franck aufnahm. Beide wurden sich rasch handelseinig. Da mittlerweile bekannt war, dass auch Pateimitgliedern der NSDAP Interesse an der Immobilie hatten, wurde der Hausverkauf mit einer „Verschleierungstaktik“ durchgeführt.

Am 10.11.1938 wurde Moritz Franck inhaftiert (siehe Reichspogrom in Freden). Hier wurde Herr Franck darauf aufmerksam gemacht, dass er sein Haus zu verkaufen hätte. Herr Franck bot noch am selben Abend sein Haus zwei Unternehmensbrüdern an, die sich nach der Zerstörung um ihn gekümmert hatten und zu denen er ein gutes Verhältnis pflegte, zum Verkauf an. Der Verkauf des Hauses wurde noch 1938 vollzogen. Herr Franck und Frau Levy konnten in den unteren Räumlichkeiten wohnen bleiben. In der oberen Etage wurde das Büro des Unternehmens eingerichtet.

Herr Franck war schwer Zuckerkrank. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich in den Folgemonaten Zusehens. Hierzu kam noch erschwerend hinzu, dass ihm die Hälfte seiner Insulinration gekürzt wurde. Für den schwerkranken Mann war dies lebensbedrohlich. Außerdem kam noch hinzu, dass die Lebensmittelrationen für Juden um die Hälfte gegenüber anderen Mitbürgern gekürzt wurden. Auf Grund der lebensbedrohlichen Einschränkungen verstarb Herr Franck am 28.08.1940.

Der Verbleib von Selma Levy ist nicht geklärt. Sie soll nach dem Tode von Moritz Franck in ein Altenheim nach Hannover gegangen sein.


Quelle:

Alt Freden Sammlung, Museum Freden (Ansprechpartner Rainer Gerking)