Reichspogrom in Freden

Text: Thomas Butchereit

Um in vornherein jeden Widerstand der männlichen Juden in Freden auszuschalten, rief die Gestapo Hildesheim den Gendameriemeister Schramm am Morgen des 10. Novembers 1938 um 8:45 Uhr an. Er erhielt die Anordnung alle männlichen Juden in seinem Amtsbereich festzunehmen. Als einziger männlicher Jude in Freden wurde Moritz Franck um 9:30 Uhr von Gendameriemeister Schramm festgenommen und nach Alfeld ins Amtsgericht gebracht. Am Abend des 10. Novembers wurde er wieder aus dem Gefängnis entlassen.
In der Ostenbergstraße in Groß Freden, wo sich die ehemalige Synagoge befand, begann die Alfelder SA ihr Unwesen im Ort. Die Beteiligten SA Männer warfen Stroh von einem LKW um die Synagoge in Brand zu stecken. Der damalige Eigentümer Ernst Lühr, der glücklicherweise mit Umbauarbeiten beschäftigt war, schritt ein. Er berichtete den Rädelsführer, dass er das Gebäude im März 1938 erworben hätte und dieses nun sein Eigentum sei. Daraufhin brach der Trupp sein Vorhaben ab und fuhr zum Haus von Moritz Franck in die Obere Straße. Die Eingangstür zum Haus von Herrn Franck wurde ausgehängt und die Einrichtung zerschlagen. Die Möbel und die Kleingeldlade wurden aus dem Fenster geworfen. Das ganze Kleingeld lag verstreut auf der Straße vor dem Haus. Die Zerstörung war so „gründlich“, dass man keine heilen Teller oder Tassen im Haus vorfand.
Im Geschäft der Familie Rosenbaum in Klein Freden wurden die Scheiben des Geschäfts eingeschlagen und das Inventar zerschlagen. In der Wohnung wurden die Betten aufgeschlitzt, das Klavier zertrümmert und Bilder zerschlagen.
Bei den Familien Rosenthal und Goldschmidt wurden ebenfalls Verwüstungen in den Geschäften durchgeführt. Es wurden eingemachte Säfte, Früchte sowie Tinte zwischen die Waren geschüttet. Als sich Agnes Rosenthal wehrte, soll sie von einen SA Mann als „Judenschwein“ beschimpft und mit den Füßen getreten worden sein.
Nur die Fredener Judenfriedhöfe entgingen den Zerstörungen an diesem Tag.


Quelle:
Alt Freden Sammlung, Museum Freden (Ansprechpartner Rainer Gerking)