1. September: Antikriegstag

Hartmut Häger

Nach der „Novemberrevolution“ 1918 in Deutschland riefen die beiden damals bedeutendsten pazifistischen Organisationen, die von Bertha von Suttner mitgegründete „Deutsche Friedensgesellschaft (DFG)“ und der „Bund Neues Vaterland (BNV)“, unter der Parole „Nie wieder Krieg“ eine Kampagne ins Leben, deren Ziel es war, die persönlichen Erinnerungen an die Kriegsgräuel durch alljährliche Massenkundgebungen am 1. August, dem Tag des Beginns des 1. Weltkriegs, wachzuhalten und die Menschen für die Durchsetzung einer dauerhaften Friedenspolitik zu aktivieren. Bei der Gründung des „Friedensbundes der Kriegsteilnehmer (FdK)“ im Oktober 1919 wurde festgelegt, alljährlich am ersten Augustwochenende Massenkundgebungen zur Erinnerung an den Kriegsbeginn 1914 zu organisieren, die den Friedenswillen des deutschen Volkes bekunden sollten. 1921 traten Vertreter der SPD, der USPD und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes dem „Nie-wieder-Krieg-Ausschuss“ bei. In Hildesheim lud ein Ausschuss aus Katholischen Arbeiterverein, Friedensbund deutscher Katholiken, Windthorstbund, Deutscher Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Hildesheim, Frauenliga für Frieden und Freiheit, Reichsbanner und Ortsausschuss der Arbeiterwohlfahrt am 31. Juli 1927 zu einer „Morgenfeier der Friedensfreunde“ ein, zum Andenken an den Ausbruch des Weltkrieges und als „Warnruf an alle Kriegshetzer“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Initiative zur Wiederbelebung des Antikriegstages vom „Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)“ aus, der erstmals am 1. September 1957 das Motto „Nie wieder Krieg“ wieder aufgriff und zu Aktionen aufrief. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht und die „Antiatomtodbewegung“ gegen atomare Aufrüstung trugen zur Mobilisierung bei, die in den späten siebziger und Anfang achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte, als gegen die Aufstellung von Pershing II und SS 20 Raketen demonstriert wurde. Der Hildesheimer DGB beteiligte sich entweder an den Demonstrationen und Kundgebungen des „Hildesheimer Friedensforum“ oder lud zu eigenen Veranstaltungen und Aktionen ein. Am 1. September 1989 übergab er der Stadt eine Gedenkplatte, die in der Ausländerabteilung des Nordfriedhofs an die in Hildesheim während der NS-Zeit ums Leben gekommenen Ausländer erinnert. Seitdem lädt der DGB dort jährlich wiederkehrend zu einer Gedenkstunde ein, die Hildesheimer Schulen mitgestalten.


Quelle: Hartmut Häger, Kriegstotengedenken in Hildesheim, Hildesheim 2005, S. 156.