Ausländerfriedhof

Text: Hartmut Häger

Das Gräberfeld in der Abteilung VIa. links auf dem Nordfriedhof ist im November 1941 angelegt worden, als zwei Russen im Kriegsgefangenenlager Drispenstedt gestorben waren und nicht auf dem örtlichen Gemeindefriedhof beerdigt werden sollten.[1]

Etwa 500 Ausländerinnen und Ausländer – die HAZ nannte am 31. August 1989 die Zahl 424 – wurden danach in der der Abteilung des Nordfriedhofs bestattet. 208 wurden in den letzten Kriegstagen durch Willkürakte von Gestapo-Angehörigen auf dem Marktplatz und am Rand des Zentralfriedhofs auf dem Gelände des Polizei-Ersatzgefängnisses und in der jüdischen Leichenhalle exekutiert.[2]

Gleich nach ihrer Befreiung suchten überlebende Italiener nach den Spuren ihrer vermissten Landsleute. Sie entdeckten das Massengrab und errichteten in dessen Mitte ein Kreuz. Der Zeitzeuge Giulio Dalla Rosa fotografierte bei einem Besuch des Friedhofs im Jahre 1952 das „ärmliche Holzkreuz“ mit der Inschrift „AGLI ITALIANI IMPICCATI“ („Den erhängten Italienern“). Bei einem erneuten Besuch 1957 war das Kreuz verschwunden.[3]

Nach der Fertigstellung des Ehrenfriedhofs für die Soldaten beider Weltkriege wurde 1956 mit der Neugestaltung des Ausländerfriedhofs begonnen. Die sterblichen Überreste der Engländer, Amerikaner, Kanadier, Franzosen und Belgier waren bereits in ihre Heimatländer überführt worden, und die Holländer wurden auf den neu gestalteten Ehrenfriedhof in Düsseldorf umgebettet. Für die zurückgebliebenen Ausländer sollten damit zu einer gemeinsamen Gedenkstätte zusammengefasst werden.[4] 1959 wurde die Anlage endlich gärtnerisch neu hergerichtet und mit kleinen Grabsteinen versehen.[5]

Der neue Gedenkstein der Italiener wurde am 23. März 1969 von Bischof Heinrich Maria Janssen feierlich eingeweiht.

50 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen brachte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf Initiative seines Kreisvorsitzenden Fred-Uwe Schulz eine Gedenktafel an

Die Feierstunde des DGB fand unter dem Motto „Nie wieder Krieg – Für den Frieden arbeiten“ am 1. September 1989 auf dem Nordfriedhof statt. Die Gedenkrede hielt der ehemalige Hildesheimer Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Joachim Raffert.[6]


Quellen:

[1] Bergerson, Ordinary Germans, S. 277.

[2] Zum Schicksal der Toten s. z. B. DGB, Geschichte der Hildesheimer Arbeiterbewegung, S. 91; Teich, Hildesheim und seine Antifaschisten, S. 141 und 143; Hildesheimer Geschichtswerkstatt e.V., Begleitheft zur Ausstellung „Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“; Hildesheimer Geschichtswerkstatt e.V., „Schläge, fast nichts zu Essen und schwere Arbeit“, S. 130-143, 154-161, Neumann, Shifting Memories, S. 101-104.

[3] Hildesheimer Geschichtswerkstatt e.V., „Schläge, fast nichts zu Essen und schwere Arbeit“, S. 162.

[4] HP v. 1.11.1956.

[5] Statistisches Jahrbuch 1960/61, Band 1, S. 362.

[6] HAZ v. 31.8.1989.

Weitere Quellen:

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945.

Niedersachsen II, Regierungsbezirke Hannover und Weser-Ems, 1986, S. 73-79

Reinhard Jacobs, Terror unterm Hakenkreuz.
Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt,
IG Metall Bezirksleitung Hannover, (2000), S. 60-61

Ulrike Puvogel, Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Bonn 1987, S. 429-430

Ausländerfriedhof
Lateinische Inschrift

 

Ausländerfriedhof 1959

 

Ausländerfriedhof Ehrenmal

 

Ausländerfriedhof
Gedenkstein der Italiener

 

Ausländerfriedhof
Gedenktafel des DGB

 

Stadtplan