Die Judenhäuser · Hildesheim

Text: Klaus Schäfer - aktualisiert und ergänzt von Hartmut Häger

Ab 1939 wurden die Juden in sogenannten Judenhäusern zusammen gelegt. Sie mussten dort mit mehreren Familien in kleinen Wohnungen zusammen leben. Diese konzentrierte Unterbringung half der Gestapo bei der Überwachung der jüdischen Bevölkerung und erleichterte die geplante Deportation. In Hildesheim befanden sich Judenhäuser unter folgenden Adressen:

-  Lappenberg 21, Gebäude der jüdischen Schule (12 Bewohner, davon 4 Vorbewohner)

- Teichstraße 27, Gebäude der Synagogengemeinde (10 Bewohner, davon 1 Vorbewohner)

- Hornemannstraße 11 (7 Bewohner, 1 Vorbewohner)

- Langer Hagen 65 (6 Bewohner, 4 Vorbewohner)

- Friesenstraße 3/4 (22 Bewohner) 

- Friesenstraße 16 (8 Bewohner) 

- Friesenstraße 20  (4 Bewohner)

- Adolf-Hitler-Straße 14, heute Bahnhofsallee (14 Bewohner, davon vier Vorbewohner)

- Bernwardstraße 3 (8 Bewohner, davon 1 Vorbewohner)

 

Mit der Zwangseinweisung von Juden aufgrund des „Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden“ vom 30. April 1939 (RGBl I, S. 864 f.) begann die Enteignung der jüdischen Haus- und Wohnungseigentümer. § 4 Absatz 1 Satz 1 des Gesetzes schränkte das Verfügungsrecht über ihr Eigentum erheblich ein, denn er zwang den Eigentümer, „auf Verlangen der Gemeindebehörde Juden als Mieter … aufzunehmen.“ Einen Verhandlungsspielraum gab es nicht: „Wird der Abschluß eines entsprechenden Vertrages verweigert, so kann die Gemeindebehörde bestimmen, daß ein Vertrag mit dem von ihr festgesetzten Inhalt als vereinbart gilt.“ (Satz 2) Da der Mieterschutz für die nichtjüdischen Bewohner fortbestand, mussten die jüdischen Eigentümer zusammenrücken, um die Zwangseingewiesenen aufzunehmen. Rudolf Schönfeld, der im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert wurde, erinnerte sich, dass die Bewohner des Hauses Zingel 18 am 29. August 1941 gezwungen wurden, in das Haus der Isaak-Meierhof-Stiftung Bahnhofsallee (damals Adolf-Hitler-Straße) 14 umzuziehen.1 In Hannover wurden die Juden Anfang September 1941 aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben und in 16 „Judenhäusern“ untergebracht.2 Zur gleichen Zeit geschah das offenkundig auch in Hildesheim.

In Hannover wurden die Juden Anfang September 1941 aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben und in 16 „Judenhäusern“ untergebracht. Zur gleichen Zeit geschah das offenkundig auch in Hildesheim. Am 31.03.1942 begann der Abtransport der jüdischen Bürger Hildesheims in die Ghettos und die Vernichtungslager.

 


Weiterführende Literatur:

Barbara Pinl, Die Deportation der Hildesheimer Juden, in:
Hildesheim im Nationalsozialismus - Aspekte der Stadtgeschichte,
Hrsg.: Hans-Dieter Schmid, Hildesheim 2002

Verfolgung der jüdischen Bürger/innen Hildesheims
Hrsg.: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
Bund der Antifaschisten, Kreisvereinigung Hildesheim,
Hildesheim 1988

Marlis Buchholz, Die hannoverschen Judenhäuser. Zur Situation der Juden in der Zeit der Ghettoisierung und Verfolgung 1941 bis 1945. Hildesheim 1987, S. S. 19.

Melderegister der Stadt Hildesheim, Otto Meyerhof, Auskunft von Rudolf Schönfeld.

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