Luftschutzbehörde (Kaiserstraße 1 · Hildesheim)

Text: Markus Roloff

Im Zweite Weltkrieg wurde zum ersten mal in der Geschichte versucht, den Kriegsgegner durch einen massiven Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung zu besiegen. Um den Gefahren durch Luftangriffe gegen die Zivilbevölkerung zu minimieren, wurden zahlreiche Maßnahmen getroffen, für die die Luftschutzbehörde verantwortlich war. Doch obwohl schon im Jahr 1942 mit Köln die erste deutsche Stadt einen vernichtenden Luftangriff von 1000 alliierten Bombern erlebte, herrschte in Hildesheim doch eine allgemeine Hoffnung, daß die wunderschöne mittelalterliche Stadt nicht zum Ziel der britischen und amerikanischen Bomberverbände werden würde. Das wichtigste Ziel der Luftschutzbehörde hätte ein umfangreicher Bunkerbau in der Stadt sein müssen. Da aber die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Deutschen Reiches auch auf dem Sektor des Luftschutzes nicht dem Notwendigen entsprachen, wurden große Bunkerbauten nur für solche Regionen wie zum Beispiel die Reichshauptstadt Berlin oder das Ruhrgebiet vorgesehen, die als besonders gefährdet eingestuft wurden.

Als Alternative blieb der Behörde in Hildesheim der Bau von Stollen in den Wällen der Stadt und die Errichtung von sogenannten Splitterschutzgräben. Beide Maßnahmen boten jedoch bestenfalls einen provisorischen Schutz für lediglich einen Teil der Bevölkerung. Bis in das Jahr 1944 blieb Hildesheim glücklicherweise dann auch wirklich vom Bombenkrieg verschont. Aber selbst nach den ersten Bomben, die am 29. Juli auf die Zuckerfabrik fielen und 34 Menschen das Leben kosteten, blieb die Sorglosigkeit vieler Hildesheimer bestehen. So sahen sich immer wieder Menschen während der nächtlichen Angriffe auf Hannover und Braunschweig ungeschützt auf der Straße stehend den Feuerschein am Horizont an.

Am 22. Februar 1945 erfolgte der erste planmäßige große Angriff auf Hildesheim, bei dem besonders der Güterbahnhof getroffen wurde. 320 Menschen sterben an diesem Tag und weiter 240 werden verletzt. Da es der Luftschutzbehörde immer noch nicht möglich war, den Schutz für die Hildesheimer Bevölkerung entscheidend zu verbessern, gingen die Menschen nun bei Fliegeralarm dazu über, die Stadt zu verlassen und auf die umliegenden Hügel zu flüchten. Am 3. März erfolgt eine erneute Bomardierung, der 103 Menschen zum Opfer fallen. Am 14. März hatten die Alliierten das VDM-Werk in Hildesheim zum Ziel. Sie trafen jedoch das Senkingwerk und töteten über 100 Menschen. Der 22. März 1945 brachte den vernichtenden Luftangriff, bei dem die gesamte Innenstadt zerstört wurde. 1006 Menschenleben waren an diesem Tag zu beklagen. Das militärisch völlig bedeutungslose mittelalterliche Hildesheim versank binnen kurzer Zeit in einem Flammenmeer, aus dem eine 5000 Meter hohe Qualmwolke emporstieg, die über 300 Kilometer weit zu sehen war.

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