Familie Dux und Bankhaus August Dux & Co

Von Christina Prauss

Mit dem Bankier und Philanthropen Wolf Dux (4.8.1804 – 1.8.1867), dessen Großvater Abraham Esaiah Dux in der Mitte des Jahrhunderts aus dem Elsass nach Hildesheim kam, und seiner Frau Henriette geb. Ellrodt beginnt die Geschichte des Bankhauses Dux in Hildesheim. Ihr einziger Sohn August Dux (13.1.1849 – 20.12.1902) gründete 1873 mit Hilfe des Vaters die Bank „August Dux & Co“ in der Friesenstraße 11, heute am Paul-von-Hindenburg-Platz 3, zusammen mit seinem Schwager Levi Ludwig Kohen aus Steenwijk in Holland, verheiratet mit seiner Schwester Therese Dux (2.7.1845 – 25.12.1875). Deren Tochter Elsbeth, auch Else Kohen (*20.7.1870) wurde die Frau von Justizrat Alexander Oppenheimer, der ebenfalls aus Hildesheim stammte. Sie wohnten in der Zingel 33; nach seinem Tod 1930 zog sie nach Berlin-Wilmersdorf, von wo aus die 72jährige Enkeltochter von Wolf Dux am 17.8.1942 nach Theresienstadt, und am 19.9.1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka deportiert worden ist.
Wolf Dux hatte am Eingang zur Friesenstraße und historischen Fachwerkstadt ein zweigeschossiges Geschäfts- und Wohnhaus erbaut, das von einem großen Garten mit seltenen Pflanzen und Bäumen umgeben war, darunter erlesene Apfelsorten wie Gravensteiner, Dithmarscher Paradiesapfel und Roter Eiserapfel. Aus dem Holz einer gefällten Morelle, eines Kirschbaums also, wurde ein Schreibtisch für Wolf Dux getischlert, der noch lange benutzt worden war. Zum Platz hin stand ein oktogonaler Pavillon. Im Obergeschoss des Hauses befand sich zur Straßenseite ein großer Salon, der durch mobile Tapetenwände verkleinert werden konnte. Von ihm gingen Privaträume und Gästezimmer ab, einige waren mit schönen Gemälden geschmückt.
Es gab eine gutsortierte Bibliothek für breitgefächerte Interessen, denn Lernen und solide Bildung hatten einen hohen Wert in der traditionell jüdisch lebenden Familie. Die Jungen besuchten Hildesheimer Gymnasien, die zahlreichen Mädchen - Berta, Laura, Elly, Luise, Therese, Antonie, Carla, Emma, Agnes, Hilda, Lucy, Lilly und Margarete Dux - die Städtische Höhere Töchterschule. Am Nachmittag erhielten sie außerdem Unterricht in Hebräisch und jüdischer Überlieferung, ebenso streng wurden die Feiertage und religiösen Vorschriften eingehalten. August Dux war Mitglied des 1893 gegründeten „Centralvereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens“ und viele Jahre Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Hildesheim. Er hatte die „Stiftung für die Bar-Mizwa-Feier“ mit ins Leben gerufen, die „Wilhelm Wolf und Henriette Dux-Stiftung“ und einige mehr; ebenso spendete er dem Roemer-Museum altägyptische Objekte. Bis in die 1930er Jahre lebten noch Angehörige der Familie in dem Stammhaus. Das Vermögen der Bank war aber schon früher wegen der Erbansprüche der Töchter aufgeteilt worden und ohnehin setzte nach dem Ersten Weltkrieg eine Konzentration des Bankwesens ein.
Augusts Tochter Lilly Dux (2.1.1887 – 3.11.1950) heiratete den Juristen Richard Katzenstein aus Hannover und starb in Jerusalem, wohin sie zu ihren Kindern fliehen konnte, ihr Bruder Wilhelm Dux (*15.8.1880) dagegen wurde am 31.3.1942 von Hannover-Ahlem aus in das Warschauer Ghetto deportiert. Er hatte die Geschäfte des Bankhauses zusammen mit seinem Schwager Joseph Schweizer, dem Mann seiner Schwester Margarete, übernommen. Deren Sohn Alfred Schweizer emigrierte nach Israel, wo er unter dem Namen Abraham Betser in Haifa Physik studierte und lehrte. Er war Professor an Universitäten in den USA, in den Niederlanden und zuletzt in Berkeley, Kalifornien. Margarete und Joseph Schweizer wurden zusammen mit Edith Meyerhof geb. Dux (*5.3.1892) und deren Mann Otto Meyerhof (*16.2.1868) am 23. Juli 1942 von dem Judenhaus Bahnhofsallee 14 aus, einem Haus der Stiftung Meyerhof, nach Theresienstadt und 1944 weiter nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden. Edith war die Tochter des Bankiers Georg Dux (23.7.1849 – 24.3.1939), der im Alter von 90 Jahren in Hildesheim starb, ihre Mutter Elsa Dux geb. Edel (26.3.1866 – 21.10.1942) in Theresienstadt kurz nach ihrer Deportation. Otto Meyerhof war erst Gesellschafter, dann Direktor der Bank „August Dux & Co.“ gewesen, in den 1920er Jahren Direktor der Diskonto-Gesellschaft Almsstraße 30A, in die Teile des Bankhauses übergegangen war. Ediths und Ottos Sohn Hugo Meyerhof (*29.8.1924) besuchte ein Internat in Canterbury und starb dort 1939. Agnes Dux (*14.3.1894), mit Leopold Landenberger verheiratet und über das Vereinigte Königreich nach New York entkommen, tat alles, um ihre Schwester Edith und die Familie aus Deutschland herauszuholen.
In erster Ehe war Edith mit Hans Löbenstein verheiratet, dem einzigen Sohn, Hoffnungsträger der Familie und Mitinhaber des Textilkaufhauses „Löbenstein & Freudenthal“, heute Kressmann am Hohen Weg. Er fiel als Patriot, dekoriert mit dem Eisernen Kreuz im Ersten Weltkrieg und hinterließ die Tochter Annie. Als Kind eines Frontkämpfers hatte Annie Loebenstein ein Stipendium in Göttingen erhalten und dann ihre Dissertation „Eine Methode zum Austausch des leichten Wasserstoffs gegen Deuterium in schwerlöslichen Substanzen“ in München am Institut für Physikalische Chemie begonnen und nach ihrer Flucht in Basel in der Schweiz 1939 abgeschlossen. In Fribourg (Schweiz) lernte sie 1943 ihren späteren Mann, den belgischen Widerstandskämpfer Jean Kestelyn kennen. In Charleroi bei einer amerikanischen Firma als Ingenieurin angestellt, wurde sie 1955 entlassen, weil sie Mitglied in der Gewerkschaft FGTB und ihr Mann in der kommunistischen Partei gewesen war. Danach war sie Professorin am Deutschen Institut für Übersetzung und starb im Alter von 96 Jahren am 26.10.2010 im wallonischen Braine-l’Alleud.
Die Cousinen von Agnes und Edith Dux waren Elly und Lucy, die Töchter von Hermine und Samuel William Dux. Der amerikanische Staatsbürger hatte dreizehn Jahre Geschäftserfahrung in den USA und trat als Partner in das Bankhaus August Dux & Co ein. Lucy Dux (*26.11.1891) wurde die Frau von Ernst Oppenheimer, mit dem sie in Essen wohnte, ihre Kinder Frank und Lore lebten in New York. Von ihr wissen wir, dass ihre Tante Elly im Gefängnis war und auf der Flucht ihr Leben verlor. Elly Dux (*2.7.1890) heiratete Wilhelm Reich (*1.2.1883) aus Temesvar, Rumänien. Sie wohnte mit ihrer Familie bis zu Wilhelms Tod 1940 in Zagreb. Dann zog sie nach Graz in Österreich, wo sie von März bis Juni 1943 inhaftiert wurde und dann auf dem Weg nach Zagreb über Maribor in Slowenien verschollen ist.


CHRISTINA PRAUSS: Verfolgt, ermordet – unvergessen. Zur Erinnerung an Schülerinnen der Städtischen Höheren Töchter- und Staatlichen Goetheschule unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Hildesheim, Gerstenberg 2012. S. 23-29.
 : Dr. Annie Kestelyn geb. Loebenstein. Chemikerin und Kommunistin aus gutem Hause. In: A. Germer (Hrsg.): Töchter der Zeit. Hildesheimer Frauen aus sechs Jahrhunderten. Hildesheim, Gerstenberg 2014. S. 325 ff.
http://home.comcast.net/~beagun27/site/?/page/The_DUX_Family_of_Hildesheim_-_Genealogy_Generation_1-6/

 

v.l.Annie Loebenstein und Edith Dux 1938 Hildesheim (Privatbesitz Edith Kestelyn)

 

Bankhaus Dux P.v.Hindenburg-Platz