Der 9. November 1938 in Hildesheim – die Zerstörung der Synagoge

Klaus Schäfer

Seit 1938 gab es Hinweise auf eine Radikalisierung der antisemitischen Politik des Regimes ab. Es bedurfte nur eines Anlasses um eine Welle der Gewalt gegen die jüdischen Bürger auszulösen. Dieser Anlass bot sich durch das Attentat auf den deutschen Legationssekretär vom Rath in Paris am 7. November 1938. Als er am 9. November starb löste Goebbels den reichsweiten Pogrom aus. In Hildesheim fand an diesen Abend an der Bismarcksäule auf dem Galgenberg eine Gedenkfeier der SS statt, - wie überall reichsweit. Während der Feier wurde der SS-Sturmbannführer Emil Frels benachrichtigt, dass er seine vorgesetzte Dienststelle in Hannover anrufen sollte. Von dort erhielt er den Befehl die Synagoge in Hildesheim zu zerstören. Die Teilnehmer der Feier marschierten dann zum Altdeutschen Haus Ecke Jakobistraße/Osterstraße. Dort hielt er eine Besprechung ab. Dann wurden 10 – 15 SS-Männer abgeordnet, die mit Benzinkanistern die Synagoge in Brand setzen sollten. Zuvor wurden die Zufahrtstraßen abgesperrt und der Leiter der städtischen Feuerwehr einbestellt. Diesen wurde mitgeteilt, dass die Synagoge brennen würde und die Feuerwehr diese nicht zu löschen hätte.  Dann marschierte der SS-Sturm zum Lappenberg. Dort brannte mittlerweile die Synagoge. Die Löschzüge der Feuerwehr durften zunächst nicht in die Straße einrücken. Laut Aussage des Oberbrandmeisters drohte dadurch auch ein Übergreifen des Feuers auf die angrenzenden
Fachwerkhäuser. Als die Feuerwehr endlich vorrücken durfte, war die Synagoge weitgehend niedergebrannt.

Der SS-Zug rückte dann ab. Kurz danach zogen einzelne SS-Trupps durch die Straßen und zertrümmerten die Schaufenster der jüdischen Geschäfte und Banken. Am Morgen folgte dann eine systematische Plünderung der Geschäfte. Das Diebesgut wurde dann zur NS-Wohlfahrt und dem SS-Heim in der Wallstraße gebracht. Die Polizei hatte die Anweisung nicht einzugreifen.  In der Nacht vom 9. auf dem 10. November hatte der Chef des Reichssicherheitshauptamtes zudem den Befehl erteilt, männliche gesunde Juden- möglichst wohlhabend- festzunehmen. In Hildesheim nahm die SS-Leute und Gestapobeamte die Festnahmen vor und brachten die jüdischen Bürger zunächst in das Polizeigefängnis in der Kaiserstraße.  Gegen Mittag musste sich die Verhafteten im Hof aufstellen. Dabei kam es zu Misshandlungen. Der Polizeimeister Ballauf brachte die Gefangenen von dort in Begleitung von 6 – 8 Polizeibeamten mit entsicherten Pistolen zum Godehardigefängnis. Zuvor befahl er den Gefangenen die Hosenträger abzunehmen und die Schuhriemen zu lösen. Dann bewegte sich der Zug durch die Innenstadt zum Gerichtsgefängnis.

Fast alle Juden wurden am nächsten Tag in einen offenen Lastwagen nach Hannover transportiert und von dort in einen Zug ins Konzentrationslager Buchwald verbracht. Die meisten von ihnen wurden nach zwei bis 4 Wochen entlassen. Vorher mussten sie eine schriftliche Verpflichtung zur Auswanderung abgeben.



Weiter lesen:
Schmid, Hans-Dieter (Hrsg.): Hildesheim im Nationalsozialismus. Aspekte der Stadtgeschichte - Hildesheim, 2002

Der Lappenberg vor 1938

 

Die Synagoge am Lappenberg

 

Der 9. November 1938 in Hildesheim

 

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Zeitzeugen

 

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Die brennende Synagoge

 

Die zerstörte Synagoge