Das Lager Lademühle · Hildesheim

Text: Klaus Schäfer

Auf dem ehemaligen Volksfestplatz wurde 1942 das „Lager Lademühle“ errichtet. Es war ein Gemeinschaftslager der Hildesheimer Industrie und des Handwerkes und wurde jedoch von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) verwaltet. Mit ca. 3000 Zwangsarbeitern war es das größte in Hildesheim. Täglich wurden sie von hier unter Bewachung aus dem Lager zu ihren verschiedenen Arbeitsstellen geführt und abends zurück in das Lager gebracht.

„Lademühle“ besaß eine spezielle Entbindungsanstalt und einen Kinderhort für die Nachkommen, die die Zwangsarbeiterinnen in Deutschland zur Welt brachten. Über das Schicksal dieser Kinder gibt es keine näheren Berichte. In vielen anderen Lagern hatten die Kinder hier kaum eine Überlebenschance.
Der ehemalige Lagerinsasse Valentin Shukov berichtet: „Die Einrichtung des Wohnraumes in unserer Baracke bestand aus Pritschen. Sie waren aus dünnen Holzbalken und einem hölzernen Kasten gefertigt. Darin lag eine Matratze aus Papierbastmatten, die mit Späne gefüllt war. Ein richtiges Kopfkissen gab es nicht. Zwischen den Pritschen, wo nur ein Mann durchgehen konnte, stand ein kleiner Schrank aus Sperrholz. Viel hatten wir jedoch nicht zur Aufbewahrung. Der Besitz umfasste eine Tasse, einen Löffel und eine braun gestrichene Schüssel.“
Neben der Wachstation gab es eine Krankenstube. Als einziger Mediziner war hier ein Militärsanitäter beschäftigt. Ihm halfen zwei Sanitäter, die man aus den Insassen ausgewählt hatte. Im Revier diente ein kleiner Raum als Isolierstation für Patienten mit Fieber.
„In der Mitte des Lagers stand auf einer Erhöhung die Baracke Nr. 11. … Diese Baracke war mit drei Reihen Stacheldraht umgeben. Durch den Draht lief Hochspannungsstrom. Hier war die Strafbaracke, ein Gefängnis im Gefängnis, wo die Insassen des Lagers wegen verschiedener Vergehen eingesperrt wurden. Nicht selten mussten diese Gefangenen im Winter nackt auf dem Appellplatz antreten. Sie wurden mit eiskaltem Wasser übergossen, getreten und mit Knüppeln geprügelt. Von dort aus kamen unsere Kameraden wie lebendige Leichen zurück. Einige von ihnen, die die unmenschliche Behandlung nicht aushielten, kehrten nicht wieder. Sie wurden auf Tragen aus dem Lager gebracht und irgendwo beerdigt...“ so die Erinnerung von Valentin Shukov.

Bei einen Luftangriff am 29. Juli 1944 starben mindestens 18 Zwangsarbeiter. Sehr deutlich erinnert sich Valentin Shukov an den 22. März 1945:
„Ungefähr gegen Mittag zerriss die Alarmsirene die Luft. Als das Signal verstummte, wurde auch schon der Himmel von der schwarzen Silhouette der Bomber verdunkelt. Alle aus dem Lager liefen ins Freie auf ein brachliegendes Kartoffelfeld. Wir warfen uns auf die Erde und sahen, wie schwere Spreng- und leichte Brandbomben in der Sonne blitzend auf die Stadt herab fielen. … Der schwarze Qualm der Dachpappe vermischte sich mit den gelben Flammen des Holzes. Nach einer Stunde lag unser Lager in Schutt und Asche. Nur die Gussöfen waren wie unsinnige Grabsteine auf dem öden Friedhof übrig geblieben.“


Weiterlesen:

Häftlinge aus Lademühle von Valentin Shukov
Hrg: Hildesheimer Geschichtswerkstatt

Modell des Zwangsarbeiterlagers 6001 in Hildesheim. Die Baracken in Lademühle waren ähnlich. Jedoch war das Lager Lademühle mehr als dreimal so groß.


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Tondokument italienischer Zwangsarbeiter

 

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