Jüdische Bürger in Nordstemmen und Rössing

Klaus Schäfer

Nordstemmen

Jüdische Bürger lebten spätestens seit dem Beginn des 18. Jhrd. in Nordstemmen. 1816 gab es zehn jüdische Haushalte mit insgesamt 33 Personen. 1853 gehörten zur Synagogengemeinde Nordstemmen die Juden aus Burgstemmen, Poppenburg und Mahlerten. Ihre Vermögensverhältnisse waren sehr schlecht. Bi zum Beginn des 20. Jahrhunderts verließen viele Juden Nordstemmen und ließen sich in den großen Städten nieder. 1916 bestand die Synagogengemeinde nur noch aus zwölf Personen. Das Historische Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen schreibt: „Im Ersten Weltkrieg fiel der Kaufmann Alfred Scheiberg. In der 1983 erschienenen Ortschronik wird sein Name unter den ansonsten detailliert erfassten Kriegsgefallenen nicht erwähnt". 1920 bestand die Gemeinde nur noch aus 10 Personen. 1939 lebten in der Nordstemmen nur noch die Witwen Jeanette Koopmann und Ida Scheiberg. Jeanette Koopmann verstarb wahrscheinlich 1941 in Nordstemmen. Ida Scheiberg und ihr aus Hannover zugezogene Sohn Richard wurden deportiert. Richard Scheiberg wurde am 26. März 1941 in das Sammellager Ahlem in Hannover gebracht und von dort in das Warschauer Getto deportiert. Er gilt als verschollen. Seine Mutter Ida Scheiberg, wurde am 23. Juli 1942 über Hannover in das Getto in Theresienstadt deportiert und starb am 23. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka.


Rössing
Auch in der Gemeinde Rössing lebten seit dem 18. Jhrd. Juden. Sie bildeten zunächst eine eigene Gemeinde, doch ab 1906 besuchten sie die Synagoge in Nordstemmen. Die Familie Blumenthal lebte seit Mitte des 19. Jhrd. in Rössing. Sie betreiben einen Schlachtereibetrieb. Ab 1936 lebten nur noch die Karl und Henny Blumenthal mit ihren Kindern Hanna (geb. 1928) und Hans Jürgen (geb. 1931) in Rössing. Karl Blumenthal zog im Oktober 1933 nach Horn und konnte später in die USA emigrieren. 1936 zog der Kaufmann Robert Blumenthal mit seiner Frau Edit nach Hannover. Sie lebten zunächst in der Nordmannstraße 11 und später in der Josephstraße 12. Dieses Haus wurde 1941 zum Judenhaus bestimmt. Robert und Edith Blumenthal wurden 1941 nach Riga deportiert. Sie meldeten sich zu einen freiwilligen Arbeitseinsatz, der nur als Vorwand diene, die alten Leute aus dem Getto herauszukriegen. 1942 wurden sie im Rahmen der „Aktion Dünamünde“ im Wald von Bikernieki erschossen.
Karl Blumenthal war bald gezwungen sein Geschäft aufzugeben und arbeitete in einem Betonwerk in Hannover.
Im Rahmen des Novemberpogroms 1938 wurde er festgenommen und in das Polizeigefängnis in Hannover gebracht. Zuvor wurde die Familie gezwungen, mit einen umgehängten Schild: „Wir sind Juden“ einen halben Tag vor ihrem Haus zu stehen. Im Juni 1939 verkauften sie das Grundstück an einen SA-Mann. Die Tochter besuchte zunächst noch die Grundschule in Rössing. Später zog die Familie zunächst nach Hannover und die Kinder gingen in die jüdische Volksschule auf dem Gelände der Gartenbauschule in Ahlem. Danach kehrten sie noch mal für ein Jahr nach Rössing zurück. Dann zogen sie erneut für einige Monate nach Hannover-Ahlem.
Am 28. März 1942 wurde die Familie ins Sammellager Ahlem verbracht und drei Tage später ins Warschauer Getto deportiert. Sie gelten als verschollen.
Der jüdische Friedhof in Rössing wurde 1940 von der Familie Freimann erworben. Sie pflegten den Friedhof und übergaben ihn nach dem Krieg der jüdischen Gemeinde in Hannover.


Quellen:
Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen- Band II, Hrsg. Herbert Obenaus, - S. 1147 – 1150 v. Andrea Baumert, Marlies Buchholz u. Nancy Kratochwill-Gertich, S. 1320 – 1324 v. Nancy Kratochwill-Gertich
Bundesarchiv - Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945