Organisierter Widerstand aus der Arbeiterschaft
in Hildesheim 1933 – 1937

Text: Klaus Schäfer

Im Sommer 1933 kam es auf initiative des Schriftsetzers Gustav Hoppe zur Gründung einer ersten illegalen Widerstandsgruppe aus SPD und KPD-Mitgliedern. Mitte Juli 1933 wurde auf Grundlage einer Veröffentlichung der illegalen KPD ein Flugblatt erstellt und in einer Baracke am Nordfriedhof mit Hilfe eines Abziehapparates vervielfältigt. Diese 500 Blatt wurden fast vollständig in Hildesheim verteilt. Wenige Wochen später folgte ein weiteres Flugblatt, in dem die Freilassung kommunistischer Führer sowie zu Demonstrationen und einen politischen Massenstreik aufgerufen wurde.

Ende Juli und Mitte August 1933 wurden dann fast alle beteiligten Personen verhaftet. Im Dezember 1933 wurden 16 Verhaftete durch das in Hildesheim tagende Kammergericht Berlin abgeurteilt. Die Urteile lagen zwischen 2 –3 Jahre Zuchthaus sowie zwei Jahren bis 6 Monaten Gefängnis.

Kurz nach dem Hochverratsprozess gründete sich eine weitere Widerstandsgruppe der KPD. die in Hannover hergestellte Flugschriften in Hildesheim verteilte. Doch schon Anfang März 1934 schlug die Gestapo erneut zu. Im Oktober 1934 wurden zwei Mitglieder zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, zwei weitere wurden mangels Beweisen freigesprochen.

Anfang 1934 nahm Gustav Hoppe, der den Verhaftungsaktionen entgangen war, Kontakt zur Exilorganisation der SPD in Kopenhagen auf und bezog illegale Schriften. Diese verbreitete er unter ehemaligen SPD und KPD - Mitgliedern. Zudem schrieb er Berichte für den Nachrichtendienst der SPD im Ausland. Auf dem Laubengrundstück in der Triftäckerstraße wurde der Schriftentausch in der Regel abgewickelt. Hier fanden auch regelmäßige Zusammenkünfte von bis zu 15 Personen statt.

Parallel zu diesem Kreis existierte eine weitere Gruppe um den ältesten Sohn Heitmanns, die vor allem aus linken Mitgliedern der KDP bestand. Die Gestapo bezeichnete sie als „Trotzki-Gruppe“. Die Aktivitäten der Gruppen umfassten auch die Hilfe für Familien von politischen Gefangenen. Hierzu wurden zwischen 1933 und 1936 mehrere Sammlungen durchgeführt, u.a. bei Senking und den Vereinigten Deutschen Metallwerken. Im Mai 1935 wurde eine fest organisierte Widerstandsgruppe gegründet. Von den Mitgliedsbeiträgen wurde im April 1936 ein Rotaprint - Abzugsapparat besorgt.

Ende 1935 und Anfang 1936 wurden die meisten Mitglieder der ehemaligen Ran-Gruppe entlassen. Einige von ihnen betätigten sich sofort wieder illegal. Henze und andere nahm wieder Auslandskontakte auf. So wurden ständig illegale Schriften an eine Tarnadresse in Hildesheim geliefert.

Ab Ende Mai 1936 begann die Gestapo, die illegalen Widerstandsaktivitäten in der Hildesheimer Arbeiterschaft aufzurollen. Zunächst wurde Gustav Hoppe, später Georg Roboom und Erich Braun verhaftet. Nachdem es der Gestapo gelang die illegalen Kontakte nach Hannover aufzurollen, folgten auch weitere Verhaftungen in Hildesheim. Wilhelm Henze entging den Verhaftungen, und konnte zusammen mit seiner Frau nach Schweden emigrieren. Bis Mai 1937 erfolgten insgesamt 60 Festnahmen. Gegen weitere wurden ermittelt, ohne dass gleich eine Festnahme erfolgte.

In zwei Verfahren im April und Mai 1937 wurden hohe Zuchthausstrafen verhängt. Im September 1937 bis Februar 1938 folgten weitere Gerichtsverfahren. Die Strafen beliefen sich auf 5 ½ Jahre Zuchthaus bis 9 Monate Gefängnis. Mit diesen Verfahren waren der organisierte Widerstand in Hildesheim endgültig zerschlagen. Die nach Verbüßung ihrer Haftstrafen Entlassenen wurden von der Polizei streng überwacht. Andere wurden nach Verbüßung in ein Konzentrationslager eingeliefert oder weiter inhaftiert.


Quelle:

Hans-Dieter Schmid, Einheitsfront von unten?
Der organisierte Widerstand aus der Arbeiterschaft in Hildesheim
von 1933 – 1937 in:
Hildesheimer Jahrbuch für Stadt und Stift 63 (1992), S. 99-161

Das Godehardygefängnis